Zur Irrfahrt verführt
Gedichte, 80 Seiten
Limmat Verlag, Zürich 2010
NEUER TAG
Nacht
Lebt in den Tag hinein.
Welt im Traum
Beginnt mich zu verlassen.
Ich muss jetzt selbst erschaffen.
Liege fest im warmen Laken.
Wer dreht die Heizung auf,
Wo ist der Abend hin.
Ich zieh mich an.
Die Arbeit geht nicht aus.
GEBURTSTAG
Stand am Waldrandweg.
Nachmittagszögern. Das Ziehen
Der Elster, scheinheilig leise.
Heute keine Vögel, die nicht fliegen,
Kein Frühlingsraub. Laub hängt noch
(Der Tod ein Alter); dutzende Meter
Breit fließt erntebringende Elster.
Der Mann (ein Freund?) steht unbeschränkt,
Sein Finger sinkt, das Wehr geöffnet, ganz.
Freigelegt der Ufersand,
Sinkt die Opfernehmende.
Kein Vogel fliegt, keine Kinder-
Seele. Fest stand ich. Kein Geburts-
Tagskind.
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